Notfall
29. November 2017 admin

Das Kreiskrankenhaus Schrobenhausen GmbH bietet neue Inkontinenz-Therapie

Schrittmacher helfen verzweifelten Patienten bei Darmschwäche und unkontrolliertem Harnverlust (Drangblase)

Über Schließmuskelschwäche zu sprechen, empfinden viele Menschen als äußerst peinlich. Dabei ist die so genannte Stuhlinkontinenz oder Harninkontinenz alles andere als selten, auch jüngere Patienten können davon betroffen sein. In Deutschland können mehr als eine Million Menschen den Stuhl und mehr als fünf Millionen die Harnblase nicht ausreichend kontrollieren. Das Kreiskrankenhaus in Schrobenhausen hat nun ein neues Therapieangebot, um diesen Menschen zu helfen: „Wir implantieren 2016 einen kleinen Schrittmacher, ähnlich einem Herzschrittmacher, der die Schließmuskeln steuert und die Kontinenz der Patienten stark verbessert.„ erklärt Dr. Andreas Limberger, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie. „Wir sind froh am Kreiskrankenhaus Schrobenhausen, diesen stark eingeschränkten Menschen mit diesem kleinen Eingriff helfen zu können und damit unsere Spezialisierung im Bereich der Enddarmerkrankungen und Harninkontinenz weiter ausbauen zu können“. Diese Behandlung setzt vor Ort ein interdisziplinäres Team mit Gynäkologen (Dr. Valentin Klant) und Radiologen voraus. Am Kreiskrankenhaus in Schrobenhausen sind alle gängigen Messmethoden der Harnblase, der Harnröhre (Cysto-, Urethromanometrie) und des Enddarmes (Rektummanometrie) sowie bildgebenden Verfahren wie dynamische Beckenboden- Kernspinuntersuchungen (MR-Defäkographie) etabliert.

Bild: Firma Medtronic
Abb.: Ein Beckenboden-Schrittmacher gibt über ein dünnes Elektrodenkabel schwache Impulse an die Nerven des Beckenbodens ab und reguliert damit Enddarm und Blase.

Wenn herkömmliche Therapiemaßnahmen versagen, wird heutzutage bevorzugt ein sogenannter Beckenboden-Schrittmacher, auch „Interstim“-Schrittmacher genannt, eingesetzt. Dieser Schrittmacher wird üblicherweise im oberen Gesäßbereich unter die Haut eingepflanzt. Mit sanften, elektrischen Impulsen, die an die Nerven von Darm und Blase abgegeben werden, kann dann die natürliche Kontinenzfunktion wieder einreguliert oder zumindest deutlich verbessert werden. Derselbe Beckenboden-Schrittmacher wird bereits auch in der Urologie zur Behandlung der Reizblase eingesetzt. „Der operative Eingriff ist wenig belastend und wir können über eine einfache diagnostische Teststimulation das endgültige Behandlungsergebnis sicher vorhersagen“, erläutert Dr. Andreas Limberger die Vorteile der Therapie. „Das macht diese Methode so elegant. Insgesamt profitieren etwa 80 % der Patienten von diesem Schrittmacher, auch über längere Zeit. Irreversible Komplikationen sind zu diesem Verfahren nicht bekannt.“ Über eine Fernbedienung können die Patienten die Stärke der Stimulation kontrollieren, aber meist läuft der Schrittmacher unverändert die ganze Zeit durch.

Soziale Isolation und Verlust an Lebensqualität

Die Ursachen für eine solche Darmschwäche sind vielfältig: häufig sind bei Frauen Spätfolgen von Geburtstraumata oder eine Beckenbodenschwäche dafür verantwortlich. Aber auch nach Operationen am Enddarm – etwa bei einem Mastdarmvorfall oder bösartigen Tumoren – oder bei neurologischen Erkrankungen, wie Multiple Sklerose oder Diabetes, kann die Haltefähigkeit für Stuhl eingeschränkt werden. Dies und auch eine Dranginkontinenz sind für viele Patienten eine extreme Einschränkung der Lebensqualität. Nicht selten ziehen sich die betroffenen Patienten ganz aus dem gesellschaftlichen Leben zurück und richten ihr gesamtes Leben nach dem Vorhandensein einer Toilette aus. Vielen Patienten kann jedoch schon mit einer medikamentösen Stuhlregulation oder Beckenbodengymnastik geholfen werden. Reicht das nicht aus, gibt es mehrere effektive operative Verfahren, wie z. B. den Beckenboden-Schrittmacher. Die Kosten für diesen Eingriff werden übrigens von den Krankenkassen übernommen. Weltweit wurden bereits mehr als 100.000 Schrittmacher dieser Art implantiert.

Ihre Ansprechpartner des Beckenbodenteams:

Dr. Andreas Limberger (Chefarzt Allgemein- und Viszeralchirurgie)
Dr. Valentin Klant (Chefarzt Gynäkologie und Geburtshilfe)
Sekretariat Tel: 08252 / 94-220
Kreiskrankenhaus Schrobenhausen GmbH
Högenauer Weg 5
86529 Schrobenhausen
www.kkh-sob.de