Notfall
11. Juni 2018 Wendler Torsten

Zertifizierung als erstes AltersTraumaZentrum über die Region hinaus

Kreiskrankenhaus Schrobenhausen baut seine Kompetenzen aus – Zertifizierung für Qualität und Sicherheit in der Unfallchirurgie und Geriatrie (Altersmedizin)

Ein Team - und eine große Freude über die erfolgreiche Zertifizierung als Alters-Trauma-Zentrum. Foto: KKH Schrobenhausen

Durch den Demographischen Wandel wird sich das zahlenmäßige Verhältnis zwischen älteren und jüngeren Menschen in den kommenden Jahrzehnten weiter erheblich verändern. Der Anteil der älteren Bevölkerung steigt stetig an, aber auch die Lebenserwartung nimmt zu. Betrachtet man die Entwicklung der über 80-jährigen steigt deren Anteil laut Statistischem Bundesamt von 6 % im Jahr 2014 auf 13% im Jahr 2060. Blickt man zurück auf das Jahr 1950 lag der Anteil der über 80-jährigen bei lediglich einem 1 % der deutschen Bevölkerung! Gleichzeitig steigt die Zahl der verunfallten älteren Patienten signifikant an. So geht man von einem Anstieg der Oberschenkelbrüche von 25% bis 2030 aus.

Dies bedeutet nicht nur ein Umdenken im Bereich der Versorgungsstrukturen, da es einen erheblichen Anstieg an Pflegebedürftigen geben wird, auch aus medizinischer Sicht muss man auf die geänderten Anforderungen älterer Patienten eingehen.

Im Kreiskrankenhaus Schrobenhausen hat man mit der Eröffnung der Abteilung Akutgeriatrie im Juni 2015 bereits einen wesentlichen Schritt getan.

Ein weiterer Schritt ist die Gründung eines Alterstraumatololgischen Zentrums (ATZ). In einem solchen Zentrum werden verunfallte ältere Patienten von Unfallchirurgen und Geriatern gleichzeitig behandelt.

Aufgabe eines Alterstraumatologischen Zentrums ist die enge interdisziplinäre Behandlung der älteren Patienten von Beginn der Behandlung bis zu ihrem Ende. Involviert in diesen Prozess sind neben den Ärzten der Akutgeriatrie und der Unfallchirurgie die Pflege, Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie, Neuropsychologie und der Sozialdienst. Die Patienten werden bereits direkt nach der Operation von all diesen Disziplinen gemeinsam behandelt. Alle an der Behandlung Beteiligten führen mehrfach in der Woche gemeinsame Visiten und Patientenbesprechungen durch. Behandlungen und Entlassungen bzw. Weiterbehandlungen werden eng untereinander und mit den Patienten und/oder den Angehörigen abgesprochen. Bei Bedarf wird im direkten Anschluss an die stationäre Phase im Kreiskrankenhaus Schrobenhausen eine weiterführende (geriatrische) Reha eingeleitet. Ziel der Behandlung im ATZ Schrobenhausen ist die Rückkehr in das gewohnte häusliche Umfeld und der Erhalt der Selbständigkeit und Mobilität der Patienten.

Auch die anderen Abteilungen wie Anästhesie (altersentsprechende Schmerztherapie, Intensivüberwachung) oder die Radiologie (schmerzarmer Transport verletzter Patienten im Rahmen der Diagnostik) sind eng in das Konzept des ATZ eingebunden. Alle Kompetenzen, die nötig sind, werden so gebündelt, um die höchste Behandlungsqualität für die Patienten zu erreichen.

Im April 2018 erfolgte die Auditierung des AltersTraumaZentrums am Kreiskrankenhaus Schrobenhausen durch die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie, verteten durch zwei Fachexperten. Von diesen wurde die sehr gute Arbeit und überdurchschnittlich gute Ergebnisse der Behandlung bestätigt und nun die erfolgreiche Zertifizierung ausgesprochen.

Das AltersTraumaZentrum am Kreiskrankenhaus Schrobenhausen schließt mit der Zertifizierung eine Lücke in der Versorgung der älteren Patienten im Norden Oberbayerns, da sich im Umkreis von ca. 80 km kein weiteres zertifiziertes ATZ befindet.

Das Zentrum steht selbstverständlich auch älteren Patienten offen, die sich einer geplanten orthopädischen Operation unterziehen müssen, aber Bedenken z. B. wegen eines möglichen Delir-Risikos (Orientierungslosigkeit) nach dem operativen Eingriff, haben. Diesen Patienten wird eine entsprechende geriatrische Mitbehandlung sowohl vor als auch nach der Operation angeboten.

Standorte AltersTraumaZentren: